„Blindflug“-Erlebnisbericht von Marion Putzer-Schimack

 

Marion Putzer-Schimack, eine der TeilnehmerInnen in unserem speziell für blinde Personen vorgesehen Kurs, hat einen Erlebnisbericht zu ihren Erfahrungen in ihrem ersten Tuchakrobatik-Kurs für uns verfasst:

 

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Blindflug durch die Lüfte….

 

Ich liege auf dem Rücken. Sanfte Wellen schaukeln mich hin und her. Ich fühle mich fast schwerelos; schwebend.

 

Man könnte denken, ich liege auf einer Luftmatratze und lasse mich von den Meereswellen dahintreiben.

Weit gefehlt.

Wir befinden uns mitten in Wien, in der Domgasse, im Kellergeschoß eines alten Wiener Gebäudes.

Hier hat der Verein Aerial Silk Vienna seine Kursräumlichkeiten.

 

Es ist ein hoher Raum – an der Decke sind die sogenannten Hammocks befestigt.

Hammocks sind große Tücher aus leichtem aber sehr strapazierfähigem Stoff. Mein Tuch ist goldschimmernd.

 

Wir befinden uns in einem Kurs für Tuchakrobatik.

 

Astrid Roenig und Sophie Pfaffstaller, die Trainerinnen, versuchen uns die Figuren und Kunststücke zu erklären und möglichst genau zu beschreiben. Vorzeigen funktioniert nicht, denn wir Kursteilnehmerinnen sind blind.

 

Eine völlig neue Erfahrung für uns alle. Für die Trainerinnen, weil sie noch nie mit blinden Menschen trainiert haben und für uns Teilnehmerinnen ist Akrobatik auch etwas, was uns im Alltag eher fernliegt.

 

Sophie und Astrid bieten diesen Kurs kostenlos an. 6 Einheiten dürfen wir in den Hammocks schweben, kopfüber von der Decke hängen, sich nach hinten in das ausgebreitete Tuch fallen lassen oder einfach nur schaukeln.

Wir lernen Figuren wie die Taube oder den Frosch, dürfen unsere eigenen Kunststückchen erfinden oder einfach nur das Gefühl genießen in einem Tuch zu liegen und leicht hin und herzupendeln. Dazu ertönt leise Musik aus dem Lautsprecher.

 

Die beiden Trainerinnen sind begeistert von uns wie mutig und vertrauensvoll wir uns der Obhut der Tücher überlassen.

 

Gerade als sehbehinderter oder blinder Mensch kann man sich im Alltag nicht so ohne weiteres fallen lassen.

Ich bin sehr vorsichtig: schnell gehen oder gar laufen, mich hemmungslos im Kreis drehen kann ich nicht oft. Schließlich will ich mich nicht verletzen.

Daher ist die Erfahrung im Hammock eine ganz besondere. Ich habe die Gewissheit, dass das Tuch mich hält und dass mir nichts passieren kann.

 

Danke für die Möglichkeit so etwas einmal auszuprobieren.

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Marion Putzer-Schimack